Zu Besuch bei Sabine Schmalz in der Schorfheide

Zu Besuch bei Sabine Schmalz in der Schorfheide

Das Atelier von Sabines Schmalz in Groß Dölln steht auf dem Gelände eines ehemaligen Hühnerhofes.
Als Reminiszenz an das Schaffen der Landbevölkerung auf dem Bauernhof entstand diese Hühnerparade.

 

Sabine Schmalz • Kreativ- und Kraftort im Grünen

Der zauberhafte Sommergarten lädt zum Verweilen ein - seinen besonderen Kick bekommt er aber durch die Expositionen der Künstlerin. Hier passend zum Ambiente ein ländliches Thema: Die Hühnerportraits - nahe liegend und mit feinem Humor künstlerisch umgesetzt





Künstleratelier und Garten in der Schorfheide

 

Das Atelier von Sabines Schmalz in Groß Dölln steht auf dem Gelände eines ehemaligen Hühnerhofes. Als Reminiszenz an das Schaffen der Landbevölkerung auf dem Bauernhof entstand diese Hühnerparade.



"Verkannte Genies - Gockel, Hinkel und Frau PuttPutt"

 

Für ihre Arbeiten wendet Sabine Schmalz erlernte Techniken an und paart diese mit einer Mixtur von immer neuen Materialien, wie Papier, Keramik oder Drucktechniken. Ihre Hände schaffen stetig, formen oder drucken und malen. Beeindruckend, neben Ihren aktuellen Hühnerportraits, sind auch die meterlangen Arbeiten zum Thema "Räderwerk" aus Papier und Pappe, ihre Schalen und Tischoberflächen aus Mosaik und ihre abstrakten Bildarbeiten, die in der Kunstkate des NaturKunstWerks auch schon einmal zu sehen waren.

Zur Geschichte des Huhns ist Folgendes anzumerken:

Das frühe Huhn lebte in den Ausläufern des Himalaya und im Süden Asiens. Das als „Gallus gallus“ bekannte Tier hatte einen starken Schnabel und scharfe Krallen.
Erst zwischen 3000 und 2000 v. Chr. trat „Gallus domesticus“ auf den Plan. In dieser Zeit wurden Hühner gehalten, um sie in religiösen Ritualen zu opfern, für Hahnenkämpfe als Zeitvertreib und als frühmorgendlicher Weckruf - der Vorläufer zum mechanischen Zeitmesser.
Im Römischen Reich begannen die Europäer Hühner wegen ihres Fleisches und ihrer Eier zu halten.

Doch erst in viktorianischer Zeit, in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, wurden Hühner ihres Aussehens wegen gezüchtet.
Der Grund dafür war, dass Königin Victoria selbst ihr Herz für Hühner entdeckte.
Und plötzlich waren die Viktorianer völlig versessen auf Hühner.
Sie organisierten sich in Vereinen, ersannen Wettbewerbe, füllten Ausstellungen und zahlten bei Auktionen Unsummen für die schönsten Vögel.

Die Darstellung des Huhn's in der Kunst

Clemens Brentano nutzte für sein romantisches "Märchen von Gockel und Hinkel" aus dem Jahr 1838 nachweislich verschiedene Bände seiner kostbaren Bibliothek, unter anderem auch Geßners "Vogelbuch" aus dem Jahr 1500.
Auf eine Hühnerenzyklopädie griff auch Sabine Schmalz zurück, zu verstehen, welche Wege der Mensch geht, um mit langem Atem, begleitet von züchterischen Misserfolgen und mit allen verfügbaren Mitteln, eine Kreatur nach seinen Vorstellungen zu formen, zum Zeitvertreib oder zum Nutzen.

Die Tierdarstellungen gehören zu den häufigsten Themen und Motiven der bildenden und angewandten Kunst. Die Art und Weise der Tierdarstellungen lässt auf das jeweilige Verhältnis des Menschen zum Tier schließen, seine Rolle in der Natur und seine konkrete Bedeutungen für den Menschen.

Beispielsweise ist die deutschen Bildhauerin Katharina Fritsch für ihre Darstellungen von Menschen und Tieren in intensiven Farben bekannt. In London stand 2013 für mehrere Monate auf dem Trafalgar Square ein überlebensgroßer blauer Hahn. Sowohl das Ultramarinblau als auch der Hahn sind Symbole für Frankreich, das 1805 von den Briten in der Schlacht von Trafalgar besiegt worden war - ein ironischer Kommentar zum Chauvinismus, sowohl in seiner nationalen wie auch in seiner geschlechtsspezifischen Ausprägung. Und die Wahl des Tiers ist in diesem Zusammenhang insofern treffend, weil das englische Wort "cock" sowohl einen Hahn bezeichnet - als auch vulgär das Geschlechtsteil des Mannes.

Dass Delfine, Pferde, Hunde und Katzen überaus intelligente Wesen sind, gilt heute bei Tierforschern als Tatsache. Auch dass man mit ihnen sprechen und sich telepathisch mit ihnen verständigen kann ist nicht neu.

Aber ausgerechnet mit Hühnern!?

Nach jüngeren Forschungen verfügen Hühner über ein sehr ausgeprägtes Sozial- und Kommunikationsverhalten. Ebenfalls sind beachtliche Intelligenzleistungen nachgewiesen, wie etwa logisches Lösen von Problem- oder Aufgabenstellungen. Hühner sind nicht nur die pickenden, scharrenden Kreaturen, die sich kopfüber auf zugeworfenes Futter stürzen – sie sind wache, intelligente, ja sogar weise Tiere, die die Menschen gerne und sehr genau beobachten: in ihrer Geschäftigkeit und ihrem Hochmut ebenso wie in ihren Ängsten, Zweifeln und Lebenslügen.


Kurz: Hühner werden, ähnlich wie Genies, eindeutig verkannt.

Sie können Berater und Helfer in vielen Lebenslagen sein. Hühner haben uns eine Menge zu erzählen. Nur fragt sie selten jemand nach ihrer Meinung.
Und sie erinnern uns ungeschminkt an uns selbst:
die vermeintliche „Krone der Schöpfung“.


Gockel, Hähnchen, Dandy, Beau, Mistkratzer oder einfach nur ungenierter Angeber – manche Hühner müssen sich einfach mit ihrer Pracht brüsten. Insbesondere die männlichen Vertreter der Spezies gibt es in so herrlichen Farb- und Gefiederkombinationen, dass einem die Augen übergehen können.
Gewisse Zwerghühner kann man sehr leicht mit einem zu groß geratenen Wattebausch verwechseln oder sie sehen wie ein doppeltes Federbett aus.
Mancher Hahn gibt eine prächtige Figur ab – irgendwo zwischen Cyrano de Bergerac und Christian Lacroix.

Die überzeichnete Hühnerparade von Sabine Schmalz gibt uns Anlass zum Schmunzeln, Lachen und der Erkenntnis.
Die Bilder sind ein Spiegel: ein Spiegel der Gesellschaft, vor allem Spiegel unserer Selbst.
Versüßen wir unser Leben mit einem Sprichwort von Theodor Fontane:

Manche Hähne glauben, dass die Sonne ihretwegen aufgeht.

 

 

 

 

© Fotos Haddenhorst / Schmalz © Text Manuela Röhken

 

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